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10 Jahre Jugendherberge Ravensbrück

Am morgigen Samstag feiert die Jugendherberge Ravensbrück – Internationale Jugendbegegnungsstätte zusammen mit der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück ihr 10-jähriges Bestehen. Bereits in der Satzung der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten wurde der Aufbau einer Jugendbegegnungsstätte in Ravensbrück als Ziel formuliert, das knapp zehn Jahre später mit Unterstützung der Landesregierung und dem Deutschen Jugendherbergswerk umgesetzt werden konnte. Seit ihrer Eröffnung im Jahre 2002 zählte die Jugendherberge etwa 90.000 Übernachtungen. Die Gedenkstätte Ravensbrück betreute im gleichen Zeitraum nahezu 5.000 Besuchergruppen mit rund 145.000 Teilnehmern. Außerdem waren bei zahlreichen Seminaren, internationalen Begegnungen, Workcamps und Konferenzen wie der seit 2005 jährlich stattfindenden Sommer-Universität Ravensbrück zahlreiche Teilnehmer aus aller Welt zu Gast in der Jugendbegegnungsstätte.

„In den vergangenen zehn Jahren ist die Internationale Jugendbegegnungsstätte Ravensbrück ein lebendiger Teil der pädagogischen Praxis der Gedenkstätte Ravensbrück geworden“, sagt der Leiter der Pädagogischen Dienste der Gedenkstätte Ravensbrück, Dr. Matthias Heyl. „Das Team der Gedenkstätte hat vielfältige und innovative Seminargebote und Projektformen entwickelt, die über einen herkömmlichen Gedenkstättenbesuch mit einer Führung weit hinausgehen. Unsere Mehrtagesangebote laden zum forschenden Lernen im Archiv und in den Sammlungen oder zu medienpädagogischen Projekten ein, bei denen die Teilnehmer sich filmisch der Geschichte von Ravensbrück nähern. Waren früher Mitarbeiter der Gedenkstätte auch damit beschäftigt, etwa für die Workcamps Unterkunft und Verpflegung zu organisieren und im Notfall den Kontakt zu Ärzten herzustellen, tut das jetzt hochprofessionell das Team der Jugendherberge“, sagt Heyl.

 

"Die Herausforderung für das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH), an diesem besonderen Ort eine selbsttragende Jugendherberge zu betreiben, ist nicht nur angenommen worden, sondern hat in der engen Zusammenarbeit mit der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück neue Perspektiven geschaffen," resümiert Bernd Mones, stellvertretender Vorsitzender des DJH-Landesverbandes Berlin-Brandenburg, und betont: "Das DJH hat in Brandenburg bewusst Verantwortung für einen geschichtspädagogischen und internationalen Lernort übernommen, der auch ein Ausdruck für unser Eintreten gegen extremistische, antisemitische und demokratiefeindliche Strömungen ist. Die vielen wiederkehrenden Gruppen und Gäste sind die beste Bestätigung für unsere Arbeit hier."

 

Die Jugendbegegnungsstätte befindet sich in acht ehemaligen Wohnhäusern der SS-Aufseherinnen, die 1939/40 von KZ-Häftlingen errichtet wurden. Die Häuser waren nach 1945 von der sowjetischen Armee genutzt und umgebaut worden. Nach einer umfassenden Sanierung werden heute sechs der Häuser von der Jugendherberge genutzt. In einem der Häuser befindet sich das Seminargebäude der Gedenkstätte, in dem anderen, das als einziges denkmalgerecht saniert wurde, wird seit 2004 die Dauerausstellung „Im Gefolge der SS“ über das weibliche Bewachungspersonal gezeigt. Die Jugendherberge bietet mit ihren 99 Betten nicht nur viel Platz für Gruppen, sondern sorgt in einem eigenen Küchengebäude auch für eine umfassende Verpflegung ihrer Gäste.

 

Heyl erinnert daran, dass es vor der Eröffnung auch kritische Stimmen gegeben habe, ob ausgerechnet diese Häuser der geeignete Ort für eine Jugendbegegnungsstätte seien. „Die Erfahrungen der vergangenen zehn Jahre haben den meisten Skeptikern ihre Zweifel genommen, auch wenn wir diese Fragen selbstverständlich immer wieder mit unseren Besuchern diskutieren“, so Heyl. Als die israelische Überlebende Batsheva Dagan im Juni 2002 erstmals wieder nach Ravensbrück kam und in dem für Überlebende reservierten und komfortabler ausgestatteten Haus der Jugendherberge übernachtete, schrieb sie in einem fiktiven Brief an die ehemaligen Bewohnerinnen: „In den Häusern, in denen damals ihr Privilegierten wohntet, ist heute eine Internationale Jugendbegegnungsstätte untergebracht, in der Schüler über die Shoa lernen. Gesegnet seien die Initiatoren! Gesegnet seien all diejenigen, die sich dieser Aufgabe widmen. Für mich hat sich dadurch – begleitet von einem Gefühl der Genugtuung – ein Kreis geschlossen.“

 

Auf dem Programm des Jubiläumsfestes, das um 14 Uhr beginnt, stehen Grußworte, ein Rückblick auf die bisherige Arbeit, Projektpräsentationen, Rundgänge und eine Lesung mit dem Theater Daktylus aus Berlin. Das Fest wird mit einem mediterranen Grillbuffet ausklingen. Außerdem erscheint eine umfangreiche Jubiläumsbroschüre, die die innovative historisch-politische Bildungsarbeit der Jugendherberge Ravensbrück – Internationale Jugendbegegnungsstätte dokumentiert.