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Ferienlager in China immer beliebter – Nähe zu Bildungscamps

Beijing. Sommerlager für Jugendliche erfreuen sich in China immer größerer Beliebtheit. Viele Eltern halten solche Lager für eine hervorragende Ergänzung zum Schulunterricht, heißt es in einer am 04.09.2010 bekannt gewordenen Meldung von Radio China International aus Beijing. Journalisten besuchen ein Sommerlager der etwas anderen Art an der Ostküste Chinas.

 

Gelb gestrichene Wände, rote Dachziegel und in den Himmel ragende Stein- und Holzpagoden inmitten von wucherndem Grün. Von der Küste her weht eine kühle Brise. Die Sonne scheint. Nur am Horizont sind einige Wolken auszumachen. Im buddhistischen Kloster Huiri scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Ungewöhnlich sind einzig die vielen Kinder und Jugendlichen, die hier einen Teil ihrer Ferien verbringen. Ein Sommerlager in einem Kloster? Wir haben bei den Jugendlichen nachgefragt:

„Journalistin: Woher kommst du?
Schülerin A: Aus Baoding.
Schüler B: Aus Shenzhen.
Schülerin C: Es ist sehr schön und sauber hier. Ganz anders als in der Stadt. Hier gibt es keine Luftverschmutzung, keine Abgase. Die Luft ist frisch."

Das Huiri-Kloster liegt eingebettet in einer Hügelkette in einem Vorort der Stadt Ningbo an der chinesischen Ostküste. Zwei Bäche schlängeln sich am Kloster vorbei. Vom 20. Juli bis zum 1. August fand im Huiri-Kloster ein Jugendsommerlager statt. Die Teilnehmer dieses zweiwöchigen Lagers kamen aus ganz China. Die jüngsten der insgesamt 100 Teilnehmer waren gerade mal acht Jahre alt.

Zwei Wochen lang lebten die Jugendlichen wie die Mönche. Sie assen und meditierten zusammen mit ihnen und nahmen am Morgen und am Abend sogar an ihrem Unterricht teil. Dabei erfuhren sie mehr über den Konfuzianismus beziehungsweise über die buddhistische sowie taoistische Lehre.

„Journalistin: Ist das Schlafen hier gleich wie zu Hause?
Schüler: Nein, nicht gleich! Hier sitzt der Buddha bei uns. Wir fühlen uns glücklich. Wir haben so viele neue Freunde kennengelernt."

Die ersten Kurse des Sommerlagers befassen sich mit der Lehre über das „Xiao", das heißt die Ehrerbietung der Kinder gegenüber ihren Eltern sowie die Erziehung zu Liebe und Respekt – nicht nur gegenüber den Mitmenschen, sondern auch gegenüber der Natur. Konfuzius hat einmal gesagt: „Menschen, die ihre Mitmenschen lieben, werden selbst geliebt. Menschen, die ihre Mitmenschen respektieren, werden selbst respektiert." Von den Mönchen im Kloster erfuhren die Jugendlichen, welche Bedeutung sich genau hinter diesem und ähnlichen Zitaten verbirgt. Wie für seine Altersgenossen war die Begegnung mit den Mönchen auch für Puzheng, ein Schüler aus dem ostchinesischen Hangzhou, ein Erlebnis der ganz besonderen Art:

„Früher war ich es nicht gewohnt, mich vor anderen Menschen zu verbeugen. Die Mönche im Kloster benehmen sich alle so korrekt und höflich. Jedes Mal, wenn ich ihnen begegne, fragen sie mich, ob ich schon gegessen und geduscht habe. Mir wird es dann ganz warm ums Herz. Ich weiss nun, welchen Vorteil es hat, wenn man seinen Mitmenschen mit Bescheidenheit und Respekt begegnet. Genau darin liegt ja das „Dao" eines großen Menschen."

Von Meister Chuanxi, dem Abt des Huiri-Klosters, erfuhren die Jugendlichen mehr über Laotse und das taoistische Standardwerk „Dao De Jing":

„Im ‚Dao De Jing‘ sagte Laotse: ‚Obwohl ich ihnen das ‚Dao De Jing‘ schon erklärt habe, folgen die Menschen dem ‚Dao‘ schon lange nicht mehr.’"

Gemäß Laotse, dem Begründer des Taoismus, liegt das „Dao" in der Harmonie zwischen den Menschen und der Natur, aber auch im Wandel der männlichen und weiblichen Elemente des Universums. Das „Dao" ist damit ein Gesetz des Himmels, dem die Menschen Respekt zollen müssen.

Um den Aufenthalt für die Jugendlichen so spannend wie möglich zu gestalten, wurden Theorie und Praxis so oft es nur ging miteinander verbunden. So wurden unter anderem auf einem Markt Tiere wie Eichhörnchen, Kaninchen und Vögel gekauft und danach in einer kleinen Zeremonie wieder freigelassen. Auf diese Weise sollte den Jugendlichen mehr Achtung und Respekt gegenüber Kleintieren beigebracht werden. Bei Xiong Xue’er, einer Schülerin aus Beijing, hat diese Aktion bleibenden Eindruck hinterlassen: „Wir haben gesehen, wie die kleinen Tiere wieder an sichere Orte gebracht wurden. Wir haben uns alle gefreut, dass die Tiere jetzt wieder frei sind und dass sie hier in den Bergen von niemandem verletzt oder getötet werden können. Als die Tiere freigelassen wurden, habe ich mich entschieden, in meinem Leben nie ein Lebewesen zu verletzen."

Barmherzigkeit und Mitgefühl, die Grundlage des Buddhismus und längst ein fester Bestandteil der chinesischen Kultur, bildeten auch ein Themenschwerpunkt im Jugendlager in Ningbo. Er werde die Zeit im Sommerlager nie vergessen, sagt Chen Yuhao von der Jinyuan-Oberschule in Shanghai:  „Hier ist alles so ruhig und harmonisch. Die Mönche sind barmherzig und voller Mitgefühl. Ich bin Langstreckenläufer. Wenn ich ums Kloster herum renne, dann genieße ich die gute Luft, das Wasser, die Gräser und die Blumen. Das Laufen ist nicht so eintönig wie in Shanghai. Nach den Tagen hier im Sommerlager fühle ich mich besser. Ich bin viel gelassener. Ich kann meine Mutter jetzt auch besser verstehen. Die Zeit hier im Sommerlager wird meine Entwicklung sicher positiv beeinflussen."

Das Sommerlager hat aber nicht nur den Jugendlichen etwas gebracht, sondern auch den Lagerleitern wie Xian Ming, eine Geschichtslehrerin aus dem Kreis Tonglu der Provinz Zhejiang:  „Durch den Aufenthalt hier sehe ich die chinesische Kultur und Geschichte aus einem neuen Blickwinkel. Ich kann die schöne Mentalität sowie das hohe moralische Niveau unserer Vorfahren nun besser einschätzen. Zusammen mit meinen Schülern werde ich versuchen, die Geschichte und Gesellschaft mit weiseren Augen zu betrachten und aus der alten Kultur geistige Kraft zu schöpfen."

Sanfter zu sein, und die Dinge auf kluge Art und Weise zu verrichten – mit diesem Vorsatz im Gepäck haben sich die Lagerteilnehmer nach zwei Wochen wieder auf den Heimweg gemacht. Die Zeit im Bergkloster Huiri mit dem morgendlichen Glockengeläut und den Trommeln am Abend verging schnell. Was den Lagerteilnehmern von ihrem Aufenthalt bleiben wird, sind das Verantwortungsbewusstsein und die Liebe zur Familie und Gesellschaft. Meister Chuanxi hält das Sommerlager denn auch für einen lohnenden Versuch: „Die Schüler und Studierenden haben ihre Sommerferien genutzt, um die Natur sowie die traditionelle Kultur zu spüren. Wir plädieren für eine vernünftige Lebensweise und für das harmonische Zusammenleben zwischen Mensch und Natur. Wir hoffen, dass wir mit diesem Sommerlager einen Beitrag zur gesellschaftlichen Harmonie geleistet haben. Darin sehen wir die Hauptaufgabe dieses Sommerlagers."

Bleibt abzuwarten, wann die ersten Camps auch für Teilnehmende aus Europa angeboten werden. Denn der Schulbesuch für Jugendliche aus Europa im Reich der Mitte nimmt immer weiter zu. Auch umgekehrt könnte es von Interesse sein, weitere Camps in Europa für chinesische Kinder und Jugendliche zu öffnen.