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Nachbericht zum 9. PolitTalk

Berlin. Der 9. PolitTalk wurde am 14. März 2013 im Jakob-Kaiser-Haus in Berlin vom BundesForum Kinder- und Jugendreisen e.V., dem Reisenetz e.V. – Deutscher Fachverband für Jugendreisen und der BAG KiEZ Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugenderholungszentren Deutschland e.V. veranstaltet. Der Einladung zur Diskussion gemäß dem Motto „Kinder- und Jugendreisen im Spannungsfeld zwischen Tourismus, Bildung und Jugendhilfe“ folgten knapp 60 Interessierte aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern und Verantwortungsbereichen.

„Praxis trifft Politik“ – gemäß dieser Devise fand zwischen Politik und Verantwortlichen des Kinder- und Jugendreisens und der Internationalen Jugendarbeit sowie ein kritischer und konstruktiver Austausch statt. Ausgangslage des Dialoges waren das Themenjahr 2013 der DZT Deutschen Zentrale für Tourismus – Junges Reiseland Deutschland, das Zukunftsprojekt des BMWi Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie zum Kinder- und Jugendreisen, die Evaluation des Kinder- und Jugendplanes des Bundes sowie der Bundestagsbeschluss aus dem Jahr 2012, Kinder- und Jugendtourismus zu stär-ken“.

 

Schon durch die Statements von Klaus Brähmig (CDU/CSU), Vorsitzender des Bun-destagsausschusses für Tourismus, und Sibylle Laurischk (FDP), Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, wurde deutlich, dass das Arbeitsfeld Kinder- und Jugendreisen sowie Internationale Begegnung ein Ressort übergreifendes Querschnittsthema ist, das Synergien, Zusammenarbeit, gegenseitiges Einverständnis und eine bewusste Verantwortung verlangt.

 

Auf der Tagesordnung standen die drei Schwerpunktthemen Marktanalyse, Inklusion und Qualifizierung des Personals. Diese Themen dienten den Vertretern aus den Arbeitsfeldern und den Mitgliedern des Bundestages als Basis zur Diskussion und Grundlage für Forderungen.

In das Thema Marktanalyse führte Gunnar Grüttner, Deutsches Jugendherbergswerk e.V., ein. Er stellte für den Projektträger DJH das Zukunftsprojekt Kinder- und Jugendtourismus in Deutschland des BMWi vor, das unter anderem im Rahmen von Zukunftskonferenzen mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten eine Vernetzung zu verschiedenen Tourismusverbänden herstellen soll. Dr. Werner Müller, Vorsitzender des BundesForum, ergänzte diesen Beitrag mit einem Überblick zum aktuellen Forschungsstand in Bezug auf Wirkungen von Kinder- und Jugendreisen und Internationaler Jugendarbeit. Als Fazit einer anschließenden regen Diskussion blieb die Forderung, das Arbeitsfeld Kinder- und Jugendreisen noch weiter zu stärken und die Förderungsmöglichkeit der Teilnahme an Ferienfreizeiten durch das Bildungs- und Teilhabepaket noch bekannter zu machen, um mehr als bisher benachteiligte Kinder- und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen dem Bildungsort Reise nahe zu bringen.

 

In das Thema Inklusion führte Knuth Gründer von Wildfang e.V. ein. Während sich alle Anwesenden über die Definition von Inklusion als bedingungslose Akzeptanz von gesellschaftlicher Vielfalt und Anerkennung verschiedener Bedürfnisse einig waren, wurde dagegen das Bewusstsein deutlich, dass Inklusion noch nicht überall derartig verstanden wird: noch zu oft wird Inklusion zu engstirnig auf bestimmte Minderheiten bezogen, als finanzielle und personelle Einsparmöglichkeit angesehen sowie als Belastung der meisten Beteiligten empfunden. Als Ergebnis der Diskussion lässt sich zusammenfassen, dass Inklusion als wichtiges Thema im Kinder- und Jugendreisen verankert ist, es aber immer noch viele Probleme und Fragen bei der Umsetzung und Erweiterung von inklusiven Reisen gibt.

In das Thema Qualifizierung des Personals führten Klaus Eikmeier, Reisenetz e.V., Torsten Ukrow, KiJu Reisen, und Florian Kuff, ruf Reisen, ein. Klaus Eikmeier bezog sich in seinem Beitrag auf die Bedeutung der Qualifizierung der Mitarbeitenden im Kinder- und Jugendreisen auf verschiedene Aspekte, die allesamt als Beleg für Qualität dienen. Torsten Ukrow berichtete über die Problematik der noch nicht vorhandenen aber vielerorts geforderten Einheitlichkeit und Übersicht bei der Ausbildung sowie Weiterbildung im Kinder- und Jugendreisen, zum Beispiel bezüglich der Juleica (Jugendleiter Card). Florian Kuff betonte die Wichtigkeit der Juleica als Grundinstrument der Qualitätssicherung, gab aber zu bedenken, dass sie für Mitarbeitende im Bereich der Reiseleitung nicht ausreichend sei und für diesen Bereich eine spezielle Vertiefung der Ausbildung nötig sei.

 

Aus den Beiträgen und Diskussionen des 9. PolitTalks gingen zahlreiche weitere Forderungen hervor: u.a.

– eine allgemeine und ggf. spezifische medizinische Versorgung muss auf allen Kinder- und Jugendreisen gewährleistet sein

– Betreuerschlüssel und Finanzierung von inklusiven Kinder- und Jugendreisen müssen ggf. angepasst werden

– gemeinnützige und gewerbliche Anbieter müssen sich gegenseitig auch in Bezug auf Ausbildung der Teamenden/Leitung anerkennen und wertschätzen

– die Diskussion um ein erweitertes Führungszeugnis muss weitergeführt werden, bzw. muss deren Problematik geklärt werden

 

Vor allem aber wurde einheitlich und nachhaltig gefordert, dass Kinder- und Jugendreisen ein eigenständiges Arbeitsfeld in der Politik und Verwaltung werden/sein muss, für das konkrete und fachkundige Ansprechpartner (Zuständige) nötig sind. Diese Zuständigen sollten an künftigen „PolitTalks“ unbedingt teilnehmen.

Spätestens beim 10. PolitTalk 2014 soll kritisch analysiert werden, in wie weit die Forderungen umgesetzt wurden.