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Naturfreundejugend Deutschlands: Kinder „fairändern“ die Welt

Remagen. Unter dem Motto „Eine Welt. Eine Zukunft. Unsere Chance. Wir fairändern!“ fand der Kindergipfel 2010 in Marburg statt, heißt es in einer Pressemitteilung der Naturfreundejugend Deutschlands. 12- bis 15-Jährige aus ganz Deutschland diskutierten vier Tage lang darüber, was jeder Einzelne für eine gerechtere Welt tun kann und wo die Politik gefragt ist. In Workshops stellten die TeilnehmerInnen Forderungen und Selbstverpflichtungen auf, die in einem Zukunftsvertrag zusammengefasst und von allen TeilnehmerInnen unterzeichnet wurden.

 

Die Naturfreundejugend Deutschlands veranstaltete den Kindergipfel 2010 gemeinsam mit der Stadt Marburg. Der Verband, der sich für die Rechte von Kindern und Jugendlichen, Gerechtigkeit und eine umweltverträgliche Entwicklung einsetzt, organisiert seit 2000 alle zwei Jahre einen Kindergipfel. In diesem Jahr förderte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Veranstaltung.

Ein Kinderrat, dem 16 Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland angehörten, bereitete auf mehreren Treffen die Veranstaltung vor. Der Kinderrat plante den Kindergipfel nach seinen Vorstellungen und legte Workshopthemen fest. In Marburg übernahm der Kinderrat die Pressearbeit und organisierte ein eigenes Kinderpressezentrum, das unter anderem eine tägliche Kindergipfel-Zeitung herausgab.

Der Marburger Oberbürgermeister Egon Vaupel begrüßte auf der Eröffnungsveranstaltung des Gipfels alle TeilnehmerInnen im historischen Rathaus und hob das engagierte Arbeitsprogramm hervor. Nina Bartz eröffnete für die Naturfreundejugend Deutschlands die viertägige Veranstaltung und erinnerte sich an ihren ersten Kindergipfel vor zehn Jahren auf der EXPO 2000 in Hannover, bei dem sie als Teilnehmerin dabei war.

Eineinhalb Tage lang tauschten sich die Kinder und Jugendlichen in acht Workshops aus. Die Themenpalette der Workshops reichte von Gesundheit in Entwicklungsländern über Fairen Handel und Klimaschutz bis hin zu Kindersoldaten. Während einer Arbeitsphase kamen ExpertInnen in die Workshops, um Fragen zu beantworten. Am Ende verständigte sich jeder Workshop auf drei Forderungen und drei Selbstverpflichtungen, die in den Zukunftsvertrag einflossen.

Alle Workshops präsentierten ihre Ergebnisse auf einem Markt der Möglichkeiten im Marburger Technologie- und Tagungszentrum. Dort machten sich die TeilnehmerInnen mit allen entwickelten Forderungen und Selbstverpflichtungen vertraut, bevor sie den Zukunftsvertrag unterzeichneten. Eine zentrale Forderung war, dass deutsche Waffen nicht in die Hände von Kindersoldaten in Entwicklungsländern gelangen dürfen. Außerdem forderten die TeilnehmerInnen Höchstpreise für Medikamente in Entwicklungsländern, um die Gesundheitsversorgung für arme Menschen zu verbessern. Weiterhin sollen in deutschen Rathäusern, Parlamenten und Verwaltungen flächendeckend nur noch fair gehandelte Produkte verwendet werden.

Am Samstagnachmittag kamen die hessischen Landtagsabgeordneten Thomas Spies (SPD) und Matthias Büger (FDP) sowie der für Jugend zuständige Marburger Bürgermeister Dr. Franz Kahle ins Technologie- und Tagungszentrum um mit den TeilnehmerInnen zu diskutieren. Insgesamt fanden hier sechs Diskussionsrunden mit jeweils rund dreißig TeilnehmerInnen statt.

Höhepunkt der Veranstaltung war eine Podiumsdiskussion mit PolitikerInnen und ExpertInnen im Cineplex Marburg am Sonntagvormittag. Unter den Gästen waren Uwe Kekeritz, Sprecher für Gesundheit in Entwicklungsländern der grünen Bundestagsfraktion, und Michael Gahler (CDU), im Europäischen Parlament für die Zusammenarbeit mit Afrika zuständig. Der Umbau der Energieversorgung und die Kontrolle von Rüstungsexporten wurden kontrovers diskutiert. Für die Kinder und Jugendlichen war es nicht nachvollziehbar, dass immer noch Kohlekraftwerke gebaut und Laufzeiten von Atomkraftwerken verlängert werden statt auf erneuerbare Energien zu setzen und so das Klima zu schützen. Da die Politik offenbar nicht sicherstellen kann, dass keine Waffen in Kinderhände gelangen, fand die Forderung nach einem generellen Verbot deutscher Waffenexporte viel Applaus. Am Ende der Veranstaltung überreichten die TeilnehmerInnen ihren Zukunftsvertrags an die Abgeordneten auf dem Podium.

Der Kindergipfel 2010 war ein offizieller Beitrag zur Weltdekade der Vereinten Nationen zur Bildung für nachhaltige Entwicklung. Die TeilnehmerInnen konnten auf der Veranstaltung globale Zusammenhänge erkennen und Handlungsoptionen diskutieren. Ihre Kompetenzen zur Mitverantwortung im globalen Rahmen wurden so gestärkt. Viele wurden durch den Kindergipfel motiviert, sich anschließend für eine sozial verantwortliche Gesellschaft in der globalisierten Welt zu engagieren.

Von der Veranstaltung ging auch ein Impuls dazu aus, die Partizipation Jugendlicher an der Diskussion wichtiger Zukunftsthemen zu fördern. Während in der aktuellen Politik und in den Medien kurzfristige nationale Interessen im Mittelpunkt stehen, machten die TeilnehmerInnen des Kindergipfels immer wieder deutlich: Wir leben in Einer Welt, in der wir nur eine Zukunft haben, wenn wir uns gemeinsam für die Bekämpfung der Armut, den Klimaschutz und mehr Gerechtigkeit einsetzen. Wir müssen jetzt umsteuern und unseren Lebensstil und unsere Wirtschaftsweise „fairändern“, damit auch nachfolgende Generationen die Chance haben, ihr Leben nach ihren Vorstellungen zu gestalten.