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SJD – Die Falken verurteilen menschenverachtende Praxis – Abschiebung während des Zeltlagers

Hamburg/Lübeck. Vier Kindern droht die Abschiebung nach Mazedonien. Sie nehmen derzeit teil an einem Zeltlager der SJD – Die Falken aus Hamburg und Schleswig-Holstein, heißt es in einer Pressemitteiung der beiden Landesverbände vom 28.07.2012. Während der Vater bereits in der Nacht zu Samstag im Rahmen einer Sammelabschiebung ausgeflogen wurde, sollen die Mutter, die vier Töchter zwischen sechs und zwölf Jahren und der einjährige Bruder direkt nach dem Ende des Zeltlagers folgen.

Der Anruf der Hamburger Ausländerbehörde erreichte den Landesvorsitzenden der Hamburger Falken, Tilmann Dieckhoff, am Freitagabend um 20:30 Uhr, als die Kinder am Lagerfeuer sangen. Am Telefon erwog die Mitarbeiterin der Hamburger Ausländerbehörde, die sich zum Zeitpunkt des Telefonats in der Wohnung der Kinder in einer Hamburger Flüchtlingsunterkunft befand, die Kinder

direkt aus dem Zeltlager abzuschieben. „Allein die Tatsache, dass die Kinder nicht mehr mit der

Fähre an’s Festland gebracht werden konnten, verhinderte vermutlich die Abschiebung aus dem

Ferienlager“, so Tilmann Dieckhoff. Trotzdem ist klar, dass der Vater seine Kinder nach der Rückkehr aus dem Zeltlager nicht vom Bahnhof abholen kann, weil er bereits abgeschoben wurde.

"Wir Falken verurteilen diese menschenverachtende Abschiebeaktion scharf. Die Hamburger Ausländerbehörde zeigt damit, dass Werte wie Vielfalt und solidarisches Miteinander, die wir auf unserem Zeltlager leben, für sie keinerlei Bedeutung haben."

 

Die Abschiebeaktion der Hamburger Ausländerbehörde offenbare die perfide Widersprüchlichkeit

der sogenannten Integrationspolitik: Während die eine Behörde, in diesem Fall das Jugendamt,

Kindern mit Flüchtlingshintergrund an der Ferienmaßnahme Erholung, Teilhabe und ein altersgerechtes Aufwachsen ermöglichen wolle, würden diese Bemühungen durch menschenunwürdiges

Verwaltungshandeln einer anderen Behörde zunichte gemacht.

 

Bei der SJD – Die Falken nehmen seit Jahren Flüchtlingskinder an Zeltlagern und Aktionen teil. Politisches Engagement gegen die unmenschliche Flüchtlingspolitik ist bei ihnen langjährige Praxis. „Wir verstehen uns als Anwälte von Kindern und Jugendlichen und setzen uns seit langem aktiv für die Einhaltung der Kinderrechte ein“, betont Tilmann Dieckhoff. Und weiter: „Auch nach der Rückkehr aus unserem Sommerzeltlager werden wir die betroffenen Kinder und ihre Familie mit all unseren Kräften unterstützen!“

 

Das diesjährige Sommerzeltlager findet vom 13. bis zum 31. Juli auf der Nordseeinsel Föhr statt. An dem Zeltlager unter dem Motto „Vielfältig schön – schön vielfältig“ nehmen über 55 Kinder teil, die zu einem großen Teil aus sozial benachteiligten Familien kommen. Jedes Jahr nehmen auch Kinder aus Flüchtlingsunterkünften teil, die in Hamburg unter der Woche vom falkeneigenen Spielmobil mit einem besonderen Spielangebot betreut werden.

 

Die SJD – Die Falken ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Kindern und Jugendlichen. Mit den Falken können Kinder und Jugendliche Mitbestimmung und Selbstorganisation erleben, ins Zeltlager fahren, politisch aktiv werden oder sich als Freiwillige in der Gruppenarbeit engagieren. Ein wichtiger Aspekt ist die Internationale Begegnung mit Partnerorganisationen in der ganzen Welt. Sie kämpfen für eine Gesellschaft, in der kein Mensch aufgrund sozialer Klasse, Geschlecht, Herkunft, Behinderung oder sexueller Orientierung benachteiligt wird und treten ein gegen jegliche Form von Diskriminierung, Unterdrückung und Benachteiligung.

 

Der Zeltlagerplatz e.V. aus Berlin als zentraler Vermögensträger der Falken ist Mitglied des BundesForum Kinder- und Jugendreisen e.V. mit Sitz in Berlin. Gemeinsam mit der SJD – Die Falken u.a. hat das BundesForum 2011 eine Schulungsmappe zu Sexualität und sexuaisierter Gewalt bei Internationalen Begegnungen, Kinder- und Jugendreisen herausgegeben.