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Evaluabilität von Kinderfreizeiten - Analyse einer Vorstudie
Diplomarbeit Heike Peters
125 Seiten
Einleitung
„Ich hatte kein schönstes Ferienerlebnis, denn ich fande alles komplett KLASSE und es hat alles sehr viel Spaß gemacht. Das schönste war die ganze Woche.“
Dies hat ein 14-jähriger Junge am Ende einer Ferienfreizeit auf die Frage nach seinem schönsten Ferienerlebnis geschrieben. Ein 11-jähriger Teilnehmer sagte am Ende seiner bereits siebenten Freizeit: „Ich fand es sehr cool hier, weil wir coole Betreuer hatten und ich hier viel Freunde bekommen habe. Das war mein coolstes Ferienlager hier wo ich je war.“
Bei solchen Rückmeldungen können sich die BetreuerInnen eines Teams zufrieden auf die Schulter klopfen. Doch wie können solche Erfolge für die kommende Freizeitensaison nutzbar gemacht werden? Wenn Rückmeldungen über den Moment der Auswertungsrunde hinaus erhalten bleiben sollen, müssen sie erfassbar sein. Zudem ist es manchmal aussagekräftiger zu erfahren, was im Hinblick auf die nächste Freizeit noch verbesserungswürdig ist. Für eine differenzierte, einfach umsetzbare und anschauliche Auswertung bedarf es abgestufter Rückmeldungen und entsprechender Instrumente und datenbasierter Verfahren.
Ziel dieser Arbeit ist es, einen Beitrag zur Entwicklung eines wissenschaftlich fundierten Standard-Evaluationsverfahrens für Kinderfreizeiten zu leisten. Dieser Beitrag besteht im Wesentlichen darin, anhand der Daten einer Vorstudie zu analysieren, ob Freizeiten für Kinder evaluierbar sind, und zwar anhand von Fragebögen für TeilnehmerInnen zwischen 8 und 12 Jahren. Die Diplomarbeit stellt einen Baustein in einem Entwicklungsprojekt zur Evaluation von Kinderfreizeiten dar und ist eingebunden in ein personelles und institutionelles Netzwerk, das um und
durch dieses Entwicklungsprojekt entstanden ist.
Nachdem seit 2007 ein von Wolfgang Ilg entwickeltes Standardevaluationsverfahren sowohl für Jugendfreizeiten als auch Internationale Begegnungen zur Verfügung steht und bei verschiedenen Verbänden, Vereinen und anderen Anbietern von Kinder- und Jugendreisen zur Anwendung kommt, wurde von vielen Seiten auch der Wunsch nach einem für Kinder (Altersspanne ca. 8 bis 12 Jahre) verständlichen Fragebogen geäußert. Der bereits zur Anwendung kommende Jugendfragebogen ist für diese Altergruppe zu kompliziert und zu umfangreich.
Neben der praktischen Frage nach einem geeigneten Fragebogen sollte vor allem zuerst das Grundsatzproblem geklärt werden, welche Frageinstrumente für Kinder angemessen sind und ob sich somit überhaupt das Standard-Verfahren aus dem Jugendbereich auf Kinderfreizeiten grundsätzlich übertragen und dann kindgerecht anpassen lässt. Im Mai 2007 hatte sich eine Gruppe aus PraktikerInnen und WissenschaftlerInnen zusammengefunden, um diese Problematik zu beleuchten und das Vorhaben voranzutreiben. Durch die Einbindung der Akteure und Interessenten in den Entwicklungsprozess des Fragebogens gab es einen kontinuierlichen Austausch zwischen Theorie und Praxis, so dass neben der wissenschaftlichen Seriosität auch die Praxistauglichkeit diskutiert wurde. Im Juni 2008 gab es ein Treffen zur Weiterentwicklung des Fragebogens, wo auch Parallelen zu anderen Projekten gezogen wurden, um Synergieeffekte zu nutzen. So wurde im Raum Bad Kreuznach in den Sommerferien 2008 eine Evaluation von Kinderstadtrandbegegnungen durchgeführt, die sich an den Kinderfragebogen anlehnt. Des weiteren läuft am Deutschen Jugendinstitut in München eine Studie zu Kinderbegegnungen, in der langfristig auch nach geeigneten Methoden zur Auswertung gesucht wird. Nach der Überprüfung der Evaluabilität von Kinderfreizeiten mit Fragebögen wird ein nächster Schritt eine Grundlagenstudie sein, die für Sommer 2009 geplant ist. Ein Ergebnis dieser Arbeit soll neben der Beantwortung der Leitfrage zur Evaluabilität eine überarbeitete Version des Kinderfragebogens auf Grundlage der statistischen Analysen sein.
Zur Einbettung des Verfahrens der Freizeitenevaluation im Bereich von Kinderfreizeiten werden im theoretischen Teil alle Begrifflichkeiten, die das Thema der Arbeit berührt, erklärt und im Folgenden werden die einzelnen Bereiche näher beleuchtet sowie deren Diskurs dargestellt. Nach einer Einordnung von Evaluation und deren Standards und Formen wird Evaluation konkreter als Thema im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit betrachtet. Dazu wird auch die Debatte um Qualitätsentwicklung und (Selbst-)Evaluation in der Kinder- und Jugendarbeit umrissen. Hierzu gehört im Hinblick auf die Intention der Arbeit die Bedeutung der AdressatInnen-Perspektive. Danach erfolgt eine Betrachtung des Themas ’Qualität’ im Teilbereich von Kinder- und Jugendfreizeiten. In Bezug auf die Methodik der Vorstudie und die Evaluabilitätsprüfung von Kinderfreizeiten wird in einem weiteren Abschnitt die Befragung von Kindern theoretisch und wissenschaftlich fundiert. Dafür werden zuerst allgemeine Merkmale der sozialwissenschaftlichen Befragung erläutert. Dann wird der Stand der Kindheitsforschung im Hinblick auf Befragungen mit Kindern und methodische Besonderheiten sowie deren methodologische Reflexion skizziert.
Im empirischen Teil der Arbeit werden der Hintergrund und Kontext der Vorstudie und des Entwicklungsprojektes Fragebogen für Kinderfreizeiten dargestellt. Im folgenden wird dann die Phase der Datenerhebung und -erfassung der Vorstudie 2007 beschrieben, sowohl hinsichtlich des Designs und der Operationalisierung als auch der Organisation und Struktur. In der Datenanalyse liegt das Hauptaugenmerk auf der Evaluabilitätsprüfung, deren Möglichkeiten erläutert werden und dann anhand der quantitativen Daten zur Anwendung kommen. Zur Untermauerung der statistischen Ergebnisse werden auch qualitative Informationen und Fragebögen anderer Studien zum Vergleich genutzt. Aus den Ergebnissen werden dann Verbesserungen und Veränderungen für den Fragebogen zur Evaluation von Kinderfreizeiten abgeleitet und umgesetzt.
In einem zusammenfassenden Teil wird die gesamte Weiterentwicklung des
Evaluationsverfahrens dargestellt und es werden Möglichkeiten und Grenzen, sowohl im Kontext der Kinder- und Jugendarbeit als auch für den wissenschaftlichen Bereich diskutiert. Im Ausblick werden Weiterentwicklungs- und Kooperationstendenzen aufgezeigt.
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